Blockchain: Hype und Wirklichkeit

Nicht nur Mode, Hollywood und Spitzensport haben ihre Hypes. Auch die Blockchain. In den letzten Wochen des letzten Jahres wurde dieser Hype immer heftiger. Dabei gab es eine Fokussierung auf Bitcoin – und plötzlich versuchten alle, die etwas Geld übrig hatten, sich mit Bitcoins einzudecken: Der Kurs der Kryptowährung schoss durch die Decke. vor ein paar Tagen nun meldete der Ticker einen 20-Prozent-Einbruch der Währung gegenüber dem Vortag und einen 50-prozentigen Rückgang im Vergleich zum Dezember. Warren Buffett warnt vor dem Platzen der Blase, in Vietnam sind Kryptowährungen verboten, China hat einige Bitcoin-Anwendungen gesperrt. So gesehen wird 2018 das Jahr die Probe aufs Exempel, aber nicht nur für die Bitcoin.

Es wird das Jahr, in dem wir uns generell fragen: Wie viele der Entwicklungen aus dem cyberphysischen und virtuellen Raum der Industrie 4.0 kommen in der konkreten Realität von Wertschöpfungsprozessen mit konkreten Produkten und Dienstleistungen an? Was davon kann in die reale Welt transferiert werden? Eine Frage von entscheidender Bedeutung, wenn es zum Beispiel um die Blockchain geht.

Hinter der Spekulationsblase um den Bitcoin stehen am Ende und zum größten Teil keine realen Werte mehr. Das ist bei der Blockchain ganz anders, wenn wir uns die Anwendungsmöglichkeiten im Supply Chain Management und ihre Enabler-Rolle im Internet der Dinge ansehen. Dort reden wir im Rahmen der digitalen Transformation nach wie vor über reale Werte, über Wertschöpfungsbeiträge von Unternehmen, die nicht nur im rein finanziellen, spekulativen oder virtuellen Raum geschaffen werden, sondern in der wirklichen, realen Welt. Die Blockchain erschafft keine virtuellen Gebilde. Sie erschafft im Grunde überhaupt nichts: Sie bildet das ab, was bereits geschaffen wurde. Sie bildet das real Geschaffene auf eine nach menschlichem Ermessen fälschungssichere Art und Weise ab, die eine bislang nicht dagewesene Transparenz herstellt und asymmetrische Machtverhältnisse nivelliert. In knappen Worten: Die Blockchain kann die Wertschöpfungsnetzwerke und -prozesse der Welt ein wenig besser machen.

Das erleben wir jedes Mal, wenn wir eine der noch sporadischen Anwendungen besuchen dürfen. Vor einigen Wochen hat zum Beispiel ein führender Mode-Konzern für den gehobenen Bedarf seine Blockchain-Idee vorgestellt. Er schaltet sukzessive seine Lieferanten entlang der Supply Chain „auf die Kette“ und hat dadurch die Transparenz entlang dieser Lieferkette deutlich erhöht. Wie der Einkaufsleiter, der das Projekt vorstellte, lassen sich dadurch die Lieferanten auch stärker verpflichten, sich nachhaltig zu verhalten – im Textilen ist das ja immer noch ein leidiges Problem.

Ein Problem, dessen sich die Blockchain annimmt: Was hier einmal dokumentiert wurde, lässt sich hinterher nicht mehr verändern. Ein starker Anreiz, von Anfang an doch lieber das Richtige zu tun, um das Richtige dokumentieren zu können. Dadurch ändern sich auch die Verhältnisse: Wenn ich genau weiß und nachvollziehen kann, was mein Partner in der Supply Chain tatsächlich macht, kann mir keiner mehr ein X für ein U vormachen, ist Greenwashing keine echte Option mehr oder zumindest stark eingeschränkt. Dank Blockchain.

Genau in dem Aufzeigen konkreter Anwendunsgfälle und Piloten liegt die Aufgabe und die Hoffnung für 2018. Es kommt jetzt darauf an, von der virtuellen in die reale Welt zu kommen und konkrete Anwendungen zu starten. Damit können wir den Wert und den Nutzen von Blockchains demonstrieren und ihren ökonomischen Wert nachweisen, insbesondere auch was Datenidentität und Datensouveränität angeht.

Was ich damit sagen will: Diskutiert wird die Blockchain schon lange genug. 2018 ist das Jahr, in dem wir von der Diskussion zum Praxistransfer übergehen. Wenn ein Bekleidungshersteller das kann, können viele andere Branche, viele andere Unternehmen das auch. Ein guter Tipp ist, Anwendungsmöglichkeiten auszuwählen und im Kleinen anzufangen. Man muss ja nicht gleich die komplette Wertschöpfungskette auf die Kette ziehen. Aber mit den First-Tier-Lieferanten anzufangen, wäre ein guter Beginn.

2 Kommentare:


  1. Leider ist der Beitrag nicht hilfreich. Auch sind die Behauptungen nicht richtig. „Was hier einmal dokumentiert wurde, lässt sich hinterher nicht mehr verändern“. Das stimmt nicht, wer die Blockchain kontrolliert, kann alles ändern. Die zunehmende Verlässichkeit ergibt sich aus der verteilten Speicherung der Blockchain. Wer aber alle Speicherorte kontrolliert kann alles ändern. Die Blockchain ist transparent und verteilt. Leider bleibt beim Beispiel des textilhändlers im Verborgenen, was dort gespeichert werden soll, und wie verteilt die Blockchain denn ist. So wird der Hype mit Blabla weiter befeuert, ohne wirklich Substanz in dei Diskusion zu bringen.

    • Michael Henke sagt:

      Bei einer Blockchain-Anwendung ist es nicht vorgesehen, dass irgendjemand die „Blockchain alleine kontrolliert“ – und erst recht nicht alle Speicherorte. Dann würde dort ja keiner mitmachen.
      Im industriellen Umfeld werden häufig so genannte-„ permissioned Blockchains“ eingesetzt, die so administriert werden können, dass ein Verlust der Kontrolle des Speicherorts mittels der jeweiligen Blockchain-Technologie ausgeschlossen werden kann. Ein Verlust könnte nur dann erfolgen, wenn zeitgleich X-Server von unterschiedlichen Unternehmen gehackt würden. Dann stellt sich aber die Frage, wieviel Energie man für mögliche Manipulationen aufbringen will (Nutzen/Aufwand).

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